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Ein wahres Hamsterleben

Die verschlafene Maus da oben heißt Sunny, und ist eine im August '07 geborene Goldhamsterdame. Sie bewohnt ein insgesamt 1,40m langes Terrarium mit einem extra hoch eingestreuten Bereich:

Sunny hat sich dazu entschlossen, ihr Nest an der Scheibe zu bauen, so dass ich ihr Verhalten während der Nacht und am Tag immer beobachten kann. Ein Hamster schläft nämlich nicht ohne Unterbrechung bis zur Nacht durch, sondern frisst, geht auf's Klo oder putzt sich zwischen den Schlafphasen. Die folgenden Bilder dokumentieren diese persönlichen Einblicke in Sunnys Leben.

Wenn ein Hamster erwacht, beginnt er zuerst mit ein wenig Köperpflege. Das Kratzen aktiviert dabei nicht nur den Kreislauf, sondern bringt auch die Flankendrüsen zum Arbeiten.

Dadurch kann der Hamster sofort wieder beginnen, sein Revier mit Duftmarken zu versehen. Bevor es jedoch so weit ist und der Hamster an die Oberfläche kommt, braucht er eine kleine Stärkung.

Wie man sieht, hat Sunny dabei die Augen geschlossen und die Ohren noch nach hinten gelegt. Hamster sehen so aus, wenn sie noch sehr müde sind. Manchmal sortiert Sunny das übrig gebliebene Futter separat auf einem Haufen, auf dem sie später schläft.

Tja, und wer viel frisst, muss auch viel........ihr wisst schon was! ^^ Das läuft bei ihr ganz geschickt ab, denn wie jeder Hamster ist sie sehr reinlich, und mag nicht direkt in ihren Kötteln liegen. Warum es trotzdem so viele Hamster tun, mag vielleicht daran liegen, dass sie mit dem Kot nirgendwo anders hin können. Andererseits wird damit auch gerne das Futter im Haus markiert. Interessant ist Sunnys Art der "Entsorgung"! Teilweise werden die Köttel direkt vom After ins Maul genommen und zur Seite weggespuckt! Anschließend geht es ans "Spülen":

 

Dafür hat sie auf einer Seite des Nestes einen Gang angelegt, rollt die Köttel mit der Nase rein und buddelt den Gang zum Schluss zu:

Einige Hamsterhalter haben schon beobachtet, wie ihr Tier die Köttel aus dem Käfig geworfen hat. Das ist mit meiner Beobachtung vergleichbar und zeigt, dass der Hamster einfach nur "sauber" ist!   Mit dem Urin passiert übrigens das Selbe: Auch Der wird nur im "Toilettengang" ausgeschieden, damit das Nest sauber und trocken bleibt. Klevere Tiere, diese Hamster!

Nachdem die Sachen erledigt sind, ist Sunny bereit zum Aufstehen. Es wird sich noch einmal geputzt, nur viel intensiver:

Wie man sieht, gehen dabei die Augen auf und die Ohren werden aufgestellt.

"Hallo Welt, hier bin ich!" ruft sie wenig später:

Ich habe keine Ahnung, ob sich alle Hamster so verhalten würden, würde man ihnen die Möglichkeit geben, einen Bau zu gestalten. Da fast alle meine Goldhamster graben/bzw. gruben halte ich eine kleine Investition für so einen Wühlbereich für sinnvoll. Für das Tier ist das Gänge graben ein kreativer Prozess, der ihm in Käfigen mit flacher Schale leider nicht möglich ist. Alternativ Etagen anzubieten oder Plastikröhren sind dafür kein Ersatz! Der Hamster ist und bleibt trotz 70jähriger Zucht ein Wühler, der am Liebsten unter die Erde geht - wenn er darf.

Zum Thema Einstreutiefe und damit verbundenem Verhalten des Goldhamsters wurde im Rahmen einer Doktorarbeit Tierversuche durchgeführt, bei Denen man zu folgenden Ergebnissen kam:

- alle getesteten Goldhamster gruben sich Gänge in der Streu und lebten im Bau

- Je tiefer die Streu war (10 cm > 40 cm > 80 cm), desto weniger Stereotypien (Gitternagen) wurden gezeigt. Gleichzeitig nahm auch die Laufradaktivität ab. Das heißt, das Tier ist zufriedener und besser körperlich und nervlich ausgelastet (Bei Stress laufen Hamster nämlich länger Rad!).

- In der Tiefstreu (80 cm) hielten sich die Hamster deutlich länger auf, und wurden scheu gegenüber dem Menschen (die Versuchtstiere haben aber generell wenig Menschenkontakt gehabt).

Hier der Link zur gesamten Studie: The Influence of Bedding Depth on Behaviour in
Golden Hamsters (Mesocricetus auratus)

  Der Schweitzer Tierschutz empfiehlt eine minimale Einstreutiefe von 30 cm. Der Studie nach ist das erstrebenswert, wenn auch problematisch. Alle käuflichen Käfige haben dafür eine zu flache Bodenschale und nicht jeder Halter ist baulich so geschickt, dass er diesen wie die aus dem Laborversuch umgestalten kann. Aquarien oder Eigenbauten sind daher die bessere Lösung, zumindest bei Tieren, die dauerhaft gehalten werden sollen. Dazu kommt, dass der Großteil der Hamsterhalter möglichst viel Kontakt zu seinem Tier haben will - da steht dann der persönliche Wunsch gegen die Haupteigenschaften und Bedürfnisse des Hamsters.

Ich hoffe, dass die Bilder nicht nur zum Nachdenken angeregt, sondern auch das Verständnis gegenüber dem Hamster verbessert haben. Meine zufällig begonnene "Studie" werde ich weiter fortsetzen und auf den gesundheitlichen, pflegerischen und hygienischen Aspekt dieser Haltung achten.

 

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